Aktuelle Lage auf Haiti

Haiti erlebt eine der weltweit größten Hungersnöte – mehr als die Hälfte der Bevölkerung ist von akuter Nahrungsunsicherheit betroffen. Kinder leiden dabei am meisten. Bewaffnete Banden terrorisieren das Land und humanitäre Hilfe ist notwendiger denn je zuvor. Mary‘s Meals ernährt derzeit 196.000 Kinder in Haiti an jedem Schultag.

Der Einkauf und Transport von Lebensmitteln werden unter diesen Bedingungen immer schwieriger. So dauerte eine 100 Kilometer lange Fahrt von einem lokalen Lieferanten zu einem Partnerlager vor einigen Jahren weniger als fünf Stunden. Heute benötigt man dafür einige Tage, da die Lkw Umwege nehmen müssen, um von Banden kontrollierte Gebiete zu umfahren. Manchmal muss der Transport auch auf Booten fortgesetzt werden, um ans Ziel zu gelangen. Trotz all dieser Herausforderungen bleibt Mary‘s Meals seinem Versprechen einer täglichen Schulmahlzeit für Kinder in Haiti treu. In der Regel besteht diese aus Reis und Bohnen mit einer Sauce aus Gemüse oder Fisch. Unterstützt werden wir bei unserer Arbeit von Hunderten engagierten Freiwilligen vor Ort.

Elena und Tante Estimène: Überleben inmitten von Bandenkriminalität

Die elfjährige Elena und ihre Tante Estimène mussten aus ihrer Heimatstadt Port-au-Prince fliehen, als bewaffnete Gruppen Häuser niederbrannten und Zivilisten töteten. Sie kämpfen mit Vertreibung und Hunger – und klammern sich gleichzeitig an die Hoffnung, die sie durch den regelmäßigen Schulbesuch haben.
Estimène: „Als die bewaffneten Gruppen angriffen, war ich gezwungen, mit den zwei Kindern mein Zuhause zu verlassen und mit ihnen ins Zentralplateau zu fliehen. Wohin ich auch gehe, ich nehme sie mit, weil ihre Mutter sie mir anvertraut hat.”

Elena: „Die Gewalt hat meinem Leben und meiner Familie stark zugesetzt. Sie töten Menschen und brennen Häuser nieder. Ein Großteil meiner Familie lebt in Port-au-Prince. Wenn sie getötet wer-den, kann ich nicht einmal zu ihrer Be-erdigung gehen. Meine Tante hat auf den Hügeln Verwandte, deshalb ist sie mit uns hierhergekommen. Meine Familie und ich mussten unser Haus verlassen, weil es von Banden angezündet wurde.”

„Essen ist wichtig für uns Kinder. Und es ist wichtig, weiterhin zur Schule zu gehen.”

Für Kinder wie Elena sind die Schulmahlzeiten, die sie in ihrer neuen Heimat erhält, überlebenswichtig. „Manche Kinder kommen ohne Essen zur Schule”, berichtet Elena. “Essen ist wichtig für uns Kinder. Und es ist wichtig, weiterhin zur Schule zu gehen, denn später kann ich eine wichtige Rolle in der Gesellschaft übernehmen, zum Beispiel als Ärztin oder Krankenschwester.”

Auch ihrer Tante Estimène geben die Schulmahlzeiten Zuversicht: “Ich wünsche mir, dass die Kinder schulisch erfolgreich sind. Was auch immer passiert, ich werde sie immer zur Schule schicken, denn ich bin fest von der Bedeutung von Bildung überzeugt.“